Vagininismus – eine Schmerzerkrankung?

Vaginismus wird von Medizinern als Sexuelle Störung klassifiziert, deren Ursachen psychisch sind. Meistens wird Frauen, die unter Vaginismus leiden, denn auch eine Psychotherapie oder bestenfalls eine Sexualtherapie empfohlen. Leider selten mit Erfolg.

Meiner Erfahrung nach ähnelt Vaginismus (besonders jedoch auch Dyspareunie und Vulvodynie) einem Schmerzsyndrom. Eine Schmerzerkrankung, bei der der intimste Bereich der Frau betroffen ist. Bei Vaginismus spielen oft auch starke Ängste – vergleichbar mit Platzangst oder Höhenangst – eine Rolle.

Wenn man diese beiden Faktoren betrachtet, den Schmerz und die Angst, wird klar, dass Vaginismus nicht einfach mit Psychotherapie behoben werden kann. Einen Patienten mit Rückenschmerzen schickt man schliesslich auch nicht als erstes zum Psychiater. Als Unterstützung kann Psychotherapie sehr wohl eine Hilfe sein.

Wie beim Patienten mit den Rückenschmerzen, muss man auch bei Vaginismus nicht immer herausfinden, weshalb die Schmerzen da sind, um sie zu beheben. Wichtig ist, man findet eine Lösung, wie die Schmerzen und die Krämpfe behoben werden können.
Unabhängig davon, wodurch letztendlich Vaginismus ausgelöst wird; Vaginismus-typisch ist der Schmerzkreislauf:

  • Beim Versuch einen Tampon, Finger, ein gynäkologisches Untersuchungsgerät oder einen Penis einzuführen empfindet der Körper Schmerzen.
  • Meist entsteht Angst vor diesen Schmerzen.
  • Der Körper will sich vor diesen Schmerzen schützen, der Beckenboden zieht sich automatisch krampfartig zusammen. Vergleich: das Auge blinzelt automatisch, wenn etwas ins Auge gerät.
  • Dieser reflexartige Krampf macht das Eindringen schmerzhaft, Geschlechtsverkehr wird schmerzhaft oder unmöglich.
  • Bei jedem weiteren Versuch, Geschlechtsverkehr zu haben festigt sich dieser Reflex. Die Frau empfindet Schmerzen, der Beckenboden verkampft sich, die Schmerzen werden stärker.
  • Mit der Zeit ist der Körper ständig in Reaktionsbereitschaft. Andere Körperregionen werden miteinbezogen. So verkrampfen sich mit der Zeit auch die Beine, der Po, der Kreuzbereich, Rücken, Nacken, Arme, Hände, Kiefer und Gesicht.
  • Dauert der Vaginismus über Monate oder gar Jahre, schwindet manchmal auch das sexuelle Verlangen. Der Körper hat einfach keine Lust mehr auf Schmerzen.

Bei der Therapie des Vaginismus ist es wichtig, dass Sie diesen Schmerzkreislauf verstehen. Es ist wichtig den Schmerzkreislauf zu durchbrechen und Ihren Körper ’neu trainieren‘, um den Vaginismus zu besiegen. Ihr Körper möchte eine neue Reaktion auf ‚Berührung der Vagina‘ lernen.

Der Beckenboden ist zum Glück ein Muskel, den man sehr gut trainieren kann. Als Kleinkind lernt man ihn erst spät zu kontrollieren. Man lernt ihn anzuspannen, damit man Urin und Stuhl zurückhalten kann. Und zu entspannen, damit man Urin und Stuhl zu einem geeigneten Zeitpunkt entleeren kann.
Aus irgendwelchen Gründen funktioniert Spannung und Entspannung des Beckenbodens bei Frauen mit Vaginismus vor allem beim Sex nicht.

Auch Reflexe können antrainiert werden. Ein Kleinkind, das eine heisse Herdplatte zum ersten mal anfasst, zieht die Hand noch nicht gleich zurück. Sofern alle Nerven intakt sind, lernt jeder Mensch, die Hand bei Hitze zurückzuziehen.

Bei Berührung entspannen. Auch Sie können sich und Ihrem Körper dieses Verhalten (wieder) antrainieren.
Unser Vaginismus-Programm vereint mentale und körperliche Apekte des Vaginismus. Schritt für Schritt den Beckenboden wahrnehmen und unterscheiden können zwischen anspannen und entspannen. Die Scheide langsam an Berührungen gewöhnen. Schritt für Schritt die Angst vor Schmerzen abbauen. Seien Sie mutig und beginnen Sie noch heute mit Ihrem Training. Es lohnt sich!

2017-10-05T10:57:02+00:00

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